Französische Literaturpreise 2011

Preis Franz Hessel :

Der deutsche Thomas Melle, für Sickster (Rowohlt, 2011) und die Französin Céline Minard, für ihre So long, Luise (Denoël, 2011), sind die Laureaten des Preises Franz Hessel 2011.

Ausgezeichnet bei diesem Preis werden jeweils ein deutschsprachiger und ein französischsprachiger Autor bzw. eine Autorin. Voraussetzung für eine Nominierung sind eine aktuelle Veröffentlichung – möglichst im Jahr der Preisvergabe – und eine ausstehende Übersetzung des Werkes in die jeweils andere Sprache. Die beiden Preisträger wurden von einer deutsch-französischen Jury ausgewählt. Auf diese Weise soll ein Beitrag zur Belebung und Vertiefung der geistigen und literarischen Beziehungen zwischen beiden Ländern geleistet werden. Dabei werden Publikationen berücksichtigt, die vorrangig die Gegenwart reflektieren und die unter dem Eindruck des Wandels der Lebenswelten eine Zeitdiagnose erlauben sowie zu einem Brückenschlag ins jeweils andere Land einladen.

Namensgeber des Preises ist der Schriftsteller und Übersetzer Franz Hessel (1880 -1941), der mit seinem Leben und Werk („Pariser Romanze“, „Spazieren in Berlin“) ein Mittler zwischen den Ländern und Kulturen war.

Melle schildert in Sickster die Hektik des Großstadtlebens. Im Mittelpunkt der Handlung: ein erfolgreicher Manager und ein gescheiterter Journalist und Schriftsteller, die nach einer oberflächlichen Bekanntschaft zu Schulzeiten im Berlin der Jetztzeit erneut aufeinander treffen und sich im Rausch der Großstadt verlieren. Melle habe versucht, in diesem Debütroman "die Lupe auf die Gegenwart in Berlin sehr stark zu richten". «Ein virtuos komponierter Gegenwartsroman», hieß es in der Mitteilung.

So long, Luise handelt von einer alten, weltbekannten Romanschriftstellerin, die eine Art literarisches Testament schreibt, in dem sie sich ein letztes Mal einen Spaß daraus macht, die Spuren zwischen Realität und Fiktion zu verwischen und diese Grenzen zu überschreiten. Es vermischen sich Märchen, Western, Memoiren und die wundersamsten Geschöpfe tauchen auf.

Prix Goncourt: Alexis Jenni, Die französische Kunst des Krieges

Der renommierte Literaturpreis Prix Goncourt wurde am 2. November 2011 an Alexis Jenni vergeben, für seinen ersten Roman L’Art français de la guerre (Die französische Kunst des Krieges, Verlag Gallimard). Zwischen Indochina und Algerien stellt diese faszinierende Freske Fragen zum Erbe der Kolonialkriege. Der Autor, ein 48-jähriger Biologielehrer aus Lyon, hat diesem Buch fünf Jahre gewidmet, das eine Abenteuererzählung und ein Nachdenken über das Erbe der kolonialen Konflikte darstellt. "Seit dem Ende meines Studiums vor 20 Jahren habe ich mehrere Sachen geschrieben, die nicht ankamen. Also sagte ich mir, dass ich für immer ein Sonntagsschreiber bleiben würde, so wie es Sonntagsmaler gibt", gab er vor kurzem humorvoll zu.

Im Jahr 2010 hatte der Goncourt-Preis einen Star der Medien gekrönt, Michel Houellebecq für La carte et le territoire (Karte und Gebiet, Verlag Flammarion).


Prix Renaudot: Emmanuel Carrère, Limonov

Der französische Schriftsteller Emmanuel Carrère hat am 2. November 2010 den Prix Renaudot für Limonov (P.O.L.) erhalten, der dem dunklen Leben des gleichnamigen russischen Dichters und Dissidenten gewidmet ist, welcher eine zeitlang in Paris gelebt hat. Emmanuel Carrère, Autor von Un roman russe (Ein russischer Roman, 2007) und D’autres vies que la mienne (Andere Leben als das meine, 2009) hat sich gefreut, dass sein Roman es ermöglicht hat, "diese Persönlichkeit bekannt zu machen", die auch ein Underground-Idol unter Breschnew und Gründer der ultranationalistischen Partei in Russland war. "Ich bin höchst erfreut," den Prix Renaudot erhalten zu haben, erklärte Emmanuel Carrère AFP kurze Zeit nach der Preisverleihung. "Das muss für Limonow unerwartet sein. Selbstverständlich werde ich ihm das schnell berichten", fügte er hinzu. "Ohne unbescheiden sein zu wollen, so habe ich doch ganz sicher mit diesem Buch diese Persönlichkeit vielen Leuten vorgestellt, die ihn nicht kannten, und das ist es, was mich glücklich macht", erklärte er.


Grosser Romanpreis der Académie Française: Sorj Chalandon, Rückkehr nach Killybegs

Der Grosse Romanpreis der Académie Française wurde am 28. Oktober 2011 an Sorj Chalandon für Retour à Killybegs (Rückkehr nach Killybegs, Verlag Grasset) vergeben, ein Buch über Nordirland und den bitteren Schmerz des Verrats. Sorj Chalandon, der gleichzeitig zu den Finalisten des Goncourt-Preises und des Prix Interallié zählt, wurde "im ersten Wahlgang mit 13 von 20 Stimmen" gewählt, wie Hélène Carrère d’Encausse, die Sekretärin auf Lebenszeit der Académie Française, ankündigte und so die Herbstsaison der großen Literaturpreise einläutete. "Alles hat uns an diesem Buch gefallen: die Geschichte, die Sprache, aber es handelt sich auch um die Würdigung des gesamten Schaffens dieses Schriftstellers", hob Frau Hélène Carrère d’Encausse hervor.


Prix Médicis: Mathieu Lindon, Ce qu’aimer veut dire ‘Was es heißt, zu lieben’

Der Prix Médicis wurde am 4. November, Mathieu Lindon für Ce qu’aimer veut dire ‘Was es heißt, zu lieben’ (P.O.L), eine aufrichtige und ergreifende Hommage sowohl an seinen 1984 verstorbenen Freund, den Philosophen Michel Foucault, als auch an seinen Vater Jérôme Lindon, den 2001 verstorbenen charismatischen Chef der Editions de Minuit, verliehen. "Das war sehr überraschend", reagierte Mathieu Lindon. "Ich habe mich bemüht zu zeigen, was es bedeutet, zu lieben", erklärte er der Nachrichtenagentur AFP und fügte hinzu: "Ich habe nur die Geschichte eines Sohnes erzählt, dem es die Nähe eines Freundes möglich macht, sich von seinem familiären Umfeld zu lösen und dabei zugleich zu versuchen, das Beste davon zu bewahren." "Ich wollte zeigen, wie man sich im Laufe der Jahre ein mehr oder weniger genaues Bild von der Liebe macht und dass man die Liebe, die man für einen Freund, einen Vater, einen Geliebten oder einen Liebhaber empfindet, vielleicht nicht voneinander unterscheiden muss", erklärte er AFP.


Prix Femina: Simon Liberati, Jayne Mansfield 1967

Mit dem Prix Femina wurde am 7. November 2011 Simon Liberati für Jayne Mansfield 1967 (Grasset) ausgezeichnet, eine Meditation über das Schicksal dieser üppigen Blondine, die als Sexsymbol an Hollywood zugrundeging, die ein Star sein wollte und in Trashfilmen endete, bevor sie im Alter von 34 Jahren mit zerschmettertem Schädel bei einem Verkehrsunfall starb.


Der Prix du Quai des Orfèvres 2012 geht an Pierre Borromée für seinen Roman L’hermine était pourpre, der Ende November 2011 bei Fayard erschienen ist.

Der Prix du Quai des Orfèvres zeichnet jedes Jahr einen noch unveröffentlichten Kriminalroman in französischer Sprache aus. Der Preis wird von einer zwanzigköpfigen Jury aus Kriminalpolizisten, weiteren hohen Beamten und Journalisten vergeben. Dabei wird nicht nur die literarische Qualität des Werkes bewertet, sondern ebenfalls die Genauigkeit bei der Beschreibung der Arbeit von Polizei und Justiz.

Kurzbeschreibung : Juliette Robin, Ehefrau eines renommierten Anwalts, wird tot aufgefunden. Erdrosselt. Kommisar Baudry wird mit der Untersuchung des Mordfalls beauftragt. Im Lauf der Ermittlungen wird er mit einem Staatsanwalt und einem Untersuchungsrichter konfrontiert, die sich beide nach kurzen Überlegungen sicher sind, dass nur einer als Mörder in Frage kommt, der Ehemann der Toten. Baudry und bald auch Maître Dornier, Vorsitzender der Anwaltskammer, glauben aber nicht an diese Version. Zuviele Unwahrscheinlichkeiten tauchen auf.

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