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Goethe als Geologe: Léna Pican über Wissenszirkulationen in der Schweiz der 1770er Jahre
26. Mai 2026
18:15 - 19:45
Veranstaltungs-Infos
Physiognomik und Geologie bei Goethe: Im Rahmen des Frühneuzeit Kolloquiums an der Goethe-Universität spricht die französische Doktorandin an der École des Hautes Études en Sciences Sociales EHESS Paris und Stipendiatin unseres Instituts über die wissenschaftliche Arbeit von Goethe in der Physiognomie und Geologie. Vortrag auf Deutsch, Eintritt frei.
Parallel zu seiner literarischen Laufbahn beschäftigte sich Johann Wolfgang von Goethe sein ganzes Leben lang mit einer Vielzahl wissenschaftlicher Gebiete: Er wirkte an Lavaters Physiognomie mit, beschäftigte sich als Sammler und Theoretiker der Geologie mit der Entstehung von Gebirgen, löste mit seiner Farbenlehre eine lebhafte Debatte aus, indem er Newtons Thesen in Frage stellte, und verfasste mehrere Texte zur Meteorologie. Darüber hinaus widmete er zahlreiche Texte einer allgemeinen Wissenschaft der lebenden Formen, der Morphologie, die in seinem wissenschaftlichen Werk großen Nachhall fand.
In ihrem Vortrag kehrt Léna Pican zum Beginn dieses wissenschaftlichen Werdegangs in den 1770er Jahren zurück und untersucht den Austausch von Objekten und Methoden zwischen den beiden Bereichen, mit denen Goethe sich damals beschäftigte: der Physiognomie im Rahmen seiner Zusammenarbeit mit Lavater und der Geologie, insbesondere anlässlich seiner Alpenreisen in die Schweiz. Trotz der unterschiedlichen Objekte – Gesichter auf der einen Seite, Gesteine auf der anderen – verbinden diese beiden Bereiche die Art des Blicks, den sie einsetzen: ein Blick, der in der Lage ist, Oberflächen zu durchdringen, um zur Tiefe der Objekte vorzudringen. Die Auseinandersetzung mit dieser Epoche und mit Lavater ermöglicht es zudem, die theoretischen Erkenntnisse besser zu verstehen, die Goethe später dazu veranlassten, sich der vergleichenden Osteologie (der Erforschung des Knochenbaus) zuzuwenden und seine Morphologie zu entwickeln. Anhand einer Reihe von Bildmaterialien zeigt Léna Pican die Existenz eines konzeptuellen Raums auf, in dem das Relief der Felsen, die Gesichtszüge und die Knochenstruktur eine echte Kontinuität bilden.
Léna Pican ist Doktorandin an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris und Stipendiatin am IFRA-SHS / Institut français Frankfurt. Sie studierte Politikwissenschaft und Philosophie an Sciences Po Paris, der Universität Sorbonne und der Universität Paris Sciences et Lettres. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit der Bedeutung von Bildern in der Spätaufklärung bei Johann Wolfgang von Goethe, Johann Bernhard Basedow und Johann Kaspar Lavater.
26. Mai 2026
18:15 - 19:45
Eintritt:
frei
Goethe-Universität
IG-Farben-Haus, Raum IG 457 (Erdgeschoss), Norbert-Wollheim-Platz
1
60323
Frankfurt am Main
Deutschland