Frankreich unterhält Kulturvertretungen in ganz Deutschland. Das Institut français Deutschland ist bundesweit mit 13 Standorten vertreten. Weitere 12 Städte beherbergen ein Deutsch-Französisches Kulturzentrum.
Das gesamte Programm der Dokumentarfilmwoche finden Sie auf der Website. In diesem Jahr stehen vier französische Filme auf dem Programm!
Fantaisie
Fr 17.4. | 14 Uhr, Zu Gast: Isabel Pagliai, im Kino 3001
Isabel Pagliai, FR 2025, 79 min, frz. OmeU
»Das echte Leben ist woanders« tönt es aus den Boxen eines Smartphones. Louise ist allein zu Hause, Antoine geht nicht ans Telefon. Sie scrollt sich durch Schlagzeilen, raucht, hört Musik. Stoisch schlägt sie die Zeit tot, sie schreibt. In Notizbücher gekritzelt – ihre Wut, ihr Schmerz, ihre Sehnsucht, ihr Körper, ihre Angst, ihre Lust, ihr Ekel, Krieg im Kopf. Im Schreiben erfasst und fabuliert sie ihr Leben: rotzig wie poetisch, enigmatisch wie unmittelbar. Von diesen Texten ausgehend entwickelt Isabel Pagliai ein gleichsam sinnliches wie entschiedenes Porträt der jungen Frau. Im Wechselspiel von Licht und Dunkelheit, Sprache und Sound, Imagination und Beobachtung bannt sie Lyrik und Empfindung auf die Leinwand. Die Zeit verstreicht, und im Fabulierten manifestiert sich bruchstückhaft die Wirklichkeit.
Beaucoup parler
Fr 17.4. | 18.30 Uhr, Zu Gast: Pascale Bodet, im Kino: B-Movie
Pascale Bodet, FR 2026, 78 min, frz. OmeU
»Decors, c’est decors!« »De Gaulle?« Protagonist und Filmemacherin stehen in einer Bäckerei vor Regalwänden voller Plastikbaguettes.Der gelernte Bäcker Amr lebt seit 17 Jahren in Paris, ohne Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis – mit rudimentären Französischkenntnissen. Pascale Bodet nimmt sich der Sache an und begleitet Amr durch seinen Alltag, den Behördendschungel, zu Freund*innen und zum Integrationssprachkurs. Ihre Kommunikation ist irrwitzig, es gibt vielerlei Missverständnisse und vom Amts-Französisch sind beide verwirrt. Am Ende hat Amr den Sprachkurs bestanden, erhält Papiere und sogar eine Entschädigung vom Staat, wegen der Verschleppung seines Falls. Doch dann werden die Einwanderungsgesetze angepasst, und er muss das nächste Sprachlevel erreichen. ›Beaucoup parler‹ ist gleichermaßen Drama und Komödie.
Refuge
Sa 18.4. | 18.15 Uhr, Gast: Janni Jungblut, im Kino: Metropolis
Janni Jungblut, DE/FR 2026, 75 min, frz. OmeU
In Dieulefit, einem Flecken auf halber Strecke zwischen Lyon und Marseille, fanden während des Zweiten Weltkriegs über 1.000 Geflüchtete Unterschlupf. Zeitzeug*innen erinnern an jene Tage und an drei Frauen, die prägende Rollen im Widerstand gegen die deutsche Besatzung spielten. Zwei, die offen als Paar lebten, hatten am Ortsrand eine reformpädagogische Schule gegründet, die auch die Résistance in den umliegenden Bergen unterstützte. Die Dritte war Sekretärin im Rathaus, wo sie gefälschte Ausweise für Verfolgte ausstellte. Mit Archivmaterial und Szenen aktueller Schülerinnen aus Dieulefit verklammert die Regisseurin, hauptberuflich Lehrerin, die Vergangenheit mit der Gegenwart. Der erzieherische Anspruch dieses Films eines gemeinnützigen Hamburger Vereins liegt offen zutage: Widerstandswissen muss an nachfolgende Generationen weitergegeben werden.
The Inheritors
So 19.4. | 20.45 Uhr, Zu Gast: Serge-Olivier Rondeau, im Kino: 3001 Kino
Serge-Olivier Rondeau, CA 2025, 79 min, frz. OmeU
Bin ich Möwe? Mittenhinein in eine unüberschaubare Kolonie von Ringschnabelmöwen führt dieser Film. So nah an die Tiere, dass beim Schauen ein Gefühl von Zugehörigkeit entsteht. Selbst ihre Variationen von Kreischen klingen wie Sprache. Noch sind die Vögel am Boden, beschäftigt mit Brüten und Küken aufziehen, dann wird es Zeit, den Jungen den Weg zur Nahrungsquelle zu zeigen. Der Tisch ist reich gedeckt: Die größte Müllhalde Kanadas nahe Montreal sorgt dafür, dass die zuvor fast ausgerottete Ringschnabelmöwe zu einer der populationsstärksten Vogelarten weltweit heranwachsen konnte. Der menschliche Eingriff auf die in den Müllbergen unerwünschten Tiere beginnt mit Abschreckung und Kontrolle: Auftritt Falke. Er soll im Dienst der Ordnung gegen sie antreten. Eine Kamera auf der Haube des Raubvogels dokumentiert die Jagd. Das Verhältnis von Mensch zu »Natur« erklärt dieser Film nicht. Er zeigt, was wir zu vererben haben.
Bildnachweis: Isabel Pagliai
14. April 2026 - 19. April 2026