Frankreich unterhält Kulturvertretungen in ganz Deutschland. Das Institut français Deutschland ist bundesweit mit 13 Standorten vertreten. Weitere 12 Städte beherbergen ein Deutsch-Französisches Kulturzentrum.
Lesung und Gespräch in deutscher und französischer Sprache (mit Übersetzung) im Rahmen des Harbour Front Literaturfestivals, mit Unterstützung des Institut français in Deutschland, präsentiert von Thalia
Wer war Elisabeth? In ihrer Familie blieb sie jahrzehntelang kaum mehr als ein Name, ein Gerücht und ein Tabu. Weggesperrt, lobotomiert. Erst ihre Urenkelin Adèle Yon beginnt, die Geschichte dieser Frau zu rekonstruieren. Aus Briefen, Krankenakten, Interviews und den Leerstellen des familiären Schweigens entsteht das eindringliche Porträt eines Lebens, das aus der Erinnerung gelöscht werden sollte.
„Mein wahrer Name ist Elisabeth“ ist weit mehr als ein Roman. Das vielfach ausgezeichnete Debüt verbindet autobiografische Spurensuche, wissenschaftliche Recherche und literarisches Erzählen. Dokumente, Familienbriefe, Gespräche und persönliche Reflexionen fügen sich zu einer vielstimmigen Erzählung, in der die Autorin zugleich ihre eigene Suche nach Wahrheit nachvollziehbar macht. So zeichnet sie ein ebenso persönliches wie gesellschaftliches Panorama über das Schweigen und Vergessen, vor allem aber über das Fortwirken von Traumata über Generationen hinweg.
Am Schicksal ihrer Urgroßmutter wird zugleich ein dunkles Kapitel der Psychiatriegeschichte sichtbar. Frauen, die nicht dem gesellschaftlich erwarteten Bild entsprachen, galten schnell als „hysterisch“ oder „schwierig“ und wurden weggesperrt. Selbstbestimmung wurde zur Diagnose, Medizin zum Mittel der Kontrolle. Es folgten Lobotomien, Zwangsbehandlungen und jahrzehntelange Internierungen. Biografien wurden ausgelöscht, oft auch aus dem Gedächtnis der eigenen Familien. Adèle Yon holt dieses verdrängte Kapitel zurück ins öffentliche Bewusstsein und zeigt eindrucksvoll, wie Macht, Gewalt und Schweigen bis heute nachwirken.
Adèle Yon, 1994 in Paris geboren, studierte an der École Normale Supérieure und promoviert im kreativen Forschungslabor SACRe. Sie arbeitet als Autorin, Filmwissenschaftlerin und Köchin in Paris. „Mein wahrer Name ist Elisabeth“ ist zugleich literarisches Debüt und Grundlage ihrer Dissertation. In Frankreich wurde das Buch als außergewöhnliches Werk gefeiert, das Literatur, dokumentarische Recherche und Familiengeschichte auf eindrucksvolle Weise miteinander verbindet.
Bildnachweis © Charlotte Krebs / Piper Verlag
22. September 2026
19:30 - 21:00
Veranstaltungsort: Thalia Überseequartier
New Orleans Straße 6
20457
Hamburg