© Julie Friedrich

Konferenz: Deutschland, Frankreich und Europa am Ende des 1. Weltkrieges

Nach dem Ausgang des Ersten Weltkrieges herrschte ein äußerst gespanntes Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich, das zuweilen als "deutsch-französischer Kalter Krieg" oder als "Krieg nach dem Krieg" bezeichnet wird. Währen Frankreich auf die vollständige Umsetzung des Vertrags von Versailles pochte, entsetzten sich die Deutschen über diesen "Schandvertrag“, in dem sie für den Ausbruch des Krieges verantwortlich gemacht werden (Art. 231). Dieser von den Alliierten „auferlegte“ Frieden ging für Deutschland mit Gebietsverlusten und schwerwiegenden Verpflichtungen einher (Reparationszahlungen, Abrüstung, alliierte Rheinlandbesetzung usw.).

Viele Historiker halten es allerdings für zu verkürzt dargestellt, diesen Friedensvertrag als ein unüberwindbares Hindernis für jedweden deutsch-französischen Aussöhnungsversuch bzw. als Ursache für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu begreifen. Der Vertrag habe mehr Handlungsspielraum geboten als ihm oft zugestanden wird und sehr unterschiedliche politische Strategien ermöglicht, von der strikten Anwendung der Bestimmungen bis hin zu einer Politik der Zugeständnisse oder gar einer Revisionspolitik. Der damalige französische Ministerpräsident Georges Clemenceau sagte bei der Ratifizierungsdebatte zum Vertrag zu den französischen Abgeordneten: „Dieser sehr komplexe Vertrag ist genau das wert, was Sie sich selbst wert sind. Er wird zu dem, was Sie daraus machen. […] Das, worüber Sie heute abstimmen, ist kein Beginn, es ist der Beginn eines Beginns."

Die beiden Vorträge laden das Publikum also zu einer weniger deterministischen Lesart der Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen nach dem Ersten Weltkrieg ein, nach der sich im Europa der 20er Jahre bereits echte Friedensperspektiven abzeichneten.

Datum :

  • 29.05 im DomForum Köln mit Jean-Michel Guieu, Historiker und Dozent in La Sorbonne und Dr. Susanne Brandt, Hitorikerin
  • 30.05 in Bonn mit Jean-Michel Guieu, Historiker und Dozent in La Sorbonne und Prof. Dr. Gerd Krumeich 

Moderation: Dr. Landry Charrier, Leiter des Institut français Bonn