feminismus und comic

Ausstellung: Vorbilder:innen - Feminismus in Comic und Illustration

27. Mai 2021 - 11. Juni 2021

Veranstaltungs-Infos

Der Feminismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Spätestens seit #metoo ist dieser Satz zum Gemeinplatz geworden. Dass die jahrtausendelange Diskriminierung von Frauen mittlerweile von vielen Menschen als falsch erkannt wird, ist zweifellos ein großer Erfolg. Er schlägt sich nieder in Gesetzesänderungen, vielfältigeren Rollenbildern und neuen sozialen Bewegungen.

Die Comic-Szene zeigt diese Veränderungen wie unter dem Brennglas: Während die große Mehrheit der Zeichner:innen und Leser:innen bis Ende der 1990er-Jahre männlich war, sind Frauen mittlerweile auf allen Ebenen präsent. Sie gewinnen wichtige Preise, veröffentlichen Bestseller, leiten Verlage und dominieren je nach Veranstaltungsthema das Publikum.

Doch hat sich zeitgleich auch die Ansicht durchgesetzt, Frauen seien früher überhaupt nicht Teil der Szene gewesen. Fragt man nach einflussreichen Zeichnerinnen, werden meist junge Künstlerinnen oder Zeitgenossinnen genannt. Der prägende Einfluss, den Comic-Zeichnerinnen von Beginn an auf die Entwicklung des Mediums hatten, scheint selbst Expert:innen nicht immer bewusst.

Wie kommt es, dass Comic-Künstler der 1930er-, 1970er- und 1990er-Jahre zu Ehren gelangt sind und für viele Vorbildfunktion haben, während Frauen in dieser Ahnengalerie praktisch nicht auftauchen? Warum wird selbst wichtigen Zeichnerinnen ein Platz in der Geschichte des Comics verwehrt? Und was bedeutet eigentlich Feminismus im Comic?

Für die einen ist er ein Marketing-Label mit dem Bücher von Zeichnerinnen angepriesen werden, für andere zählt nur der Feminismus einer bestimmten Ausprägung als Feminismus – alles andere ist oberflächlich. Wie bewusst muss einem die eigene Geschlechtsidentität sein, um für andere Feminist:innen als Feminist:in zu gelten? Und sind sexy Superheldinnen als feministische Errungenschaft zu verstehen?

Ein zentrales feministisches Anliegen aufgreifend befasst sich die Ausstellung mit Vorbildern und wie sie installiert werden. Sie begreift Feminismus als Vision einer Gesellschaft, in der Menschen nicht durch ihre geschlechtliche oder sexuelle Identität behindert oder behelligt werden.

Dieses Projekt Feminismus zu nennen hat historische Gründe, denn selbstverständlich werden auch Männer in den Blick genommen, die durch imaginierte Männlichkeit und Weiblichkeit benachteiligt werden. Feminismus bedeutet für uns vor allem, in diesem Sinne auch etwas für andere erreichen zu wollen.

Die Ausstellung versteht sich nicht als wissenschaftliche Bestandsaufnahme, sondern geht empirisch und exemplarisch vor: In acht Themenbereichen werden 30 Comic-Künstlerinnen und Illustratorinnen vorgestellt, die das Thema „Vorbilder:innen“ auf unterschiedliche Weise aufgreifen

Eine Ausstellung des Internationalen Comic-Salons Erlangen in Zusammenarbeit mit Comicfestival München, Institut français München.

Beteiligte Künstlerinnen:  Hilde Atalanta, Alison Bechdel (angefragt), Pénélope Bagieu (angefragt), Natalia Batista, Gabrielle Bell (angefragt), Tracy Chahwan, Karolina Chyzewska, Aminder Dhaliwal (angefragt), Sheree Domingo, Julie Doucet, Anke Feuchtenberger, Jacky Fleming (angefragt), Aisha Franz, Lisa Frühbeis, Jul Gordon, Pia Guerra (angefragt), Lea Hillerzeder, Megumi Igarashi (angefragt), Helena Janecˇic´, Nanna Johansson, Katja Klengel, Ilki Kocer, Ulli Lust, Rutu Modan, Katharina Röser, Posy Simmonds (angefragt), Liv Strömquist, Burcu Türker, Judith Vanistendael, Birgit Weyhe, Stephanie Wunderlich, Barbara Yelin

Kuratorinnen: Lilian Pithan & Katharina Erben

Produktion: Kulturamt der Stadt Erlangen Abteilung Festivals und Programme

Projektleitung: Sina Schroeder

27. Mai 2021 - 11. Juni 2021