Übersetzen im Herzen der Gewalt

Im Herbst 2021 lädt das Institut français Deutschland Übersetzer:innen und Sprachbegeisterte zu Austausch und Begegnung im Rahmen der Nächte der Übersetzung ein.

Im Herbst 2021 bietet das Bureau du livre des Institut français Deutschland in Zusammenarbeit mit dem TOLEDO-Programm, mit Unterstützung des Deutschen Übersetzerfonds und in Zusammenarbeit mit den Zweigstellen der französischen Kulturinstitute in Deutschland ein vielfältiges Programm zum Thema Literaturübersetzen unter dem Motto „Im Herzen der Gewalt“.

Welche Zusammenhänge gibt es zwischen Übersetzung und Gewalt? Inwieweit kann Übersetzung ein Instrument der Unterdrückung oder im Gegenteil ein Mittel der Dekonstruktion und der Befreiung sein? Klassengewalt, Feminismus, Queerness, Postkolonialismus: was spielt sich ab in der Übersetzung? Jenseits des vorherrschenden – von Lob und Konsens geprägten – Bildes wird Übersetzung nicht nur als ein Raum glücklicher Begegnungen zwischen Kulturen betrachtet, sondern auch als ein ambivalenter, komplexer und mitunter negativer Vorgang, was ein besseres Verständnis ihrer Herausforderungen ermöglicht.

Das Spannungsfeld zwischen Gewalt und Übersetzung wird während zwei langen Nächten der Übersetzung, eine in Berlin am 16. September und eine in Stuttgart am 25. November, und im Rahmen eines Satelliten-Programms in verschiedenen Zweigstellen der französischen Kulturinstitute in Deutschland erforscht.


04.09.2021 – BERLIN

Übersetzerwerkstatt – Comics aus Afrika übersetzen

14:00 bis 16:00 Uhr

Institut français Berlin, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin

Mit Lilian Pithan, Kuratorin und Übersetzerin sowie Initiatorin des Projekts „Alphabet des Ankommens“ und Elyon’s, Comic-Künstlerin aus Kamerun, Autorin von La vie d’Ebène Duta; Leiterin des BililiFestivals von Brazzaville-RDC. Mehr Infos

Anmeldung: anmeldung.berlin@institutfrancais.de


14.09.2021 – LEIPZIG

Die Flüchtigen: Alain Damasio und Milena Adam im Gespräch

19:00 bis 20:00 Uhr

Oberlichtsaal der Leipziger Stadtbibliothek, Wilhelm-Leuschner-Platz 10 – 11, 04107 Leipzig

Im Gespräch mit dem Romancier Alain Damasio, Autor des von der Kritik hochgelobten Science-Fiction-Romans Die Flüchtigen (Les Furtifs), erläutert die Übersetzerin Milena Adam das gegenseitige Wirken von Originaltext und Übersetzung. Mehr Infos

Anmeldung: info.leipzig@institutfrancais.de

In Kooperation mit der Leipziger Stadtbibliothek.


15.09.2021 – DRESDEN

Die Flüchtigen: Alain Damasio und Milena Adam im Gespräch

19:00 bis 20:30 Uhr

Goethe-Institut Dresden, Königsbrücker Str. 84, 01099 Dresden

Im Gespräch mit dem Romancier Alain Damasio, Autor des von der Kritik hochgelobten Science-Fiction-Romans Die Flüchtigen (Les Furtifs), erläutert die Übersetzerin Milena Adam das gegenseitige Wirken von Originaltext und Übersetzung. Mehr Infos

Anmeldung: info.dresden@institutfrancais.de

In Kooperation mit dem Centrum Frankreich | Frankophonie (CFF) der TU Dresden und dem Goethe-Institut Dresden.


16.09.2021 – BERLIN

Die lange Nacht der Übersetzung in Berlin: „Übersetzen. Im Herzen der Gewalt“

18:00 bis 23:00 Uhr

Institut français Berlin, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin

Welche Zusammenhänge gibt es zwischen Übersetzung und Gewalt? Übersetzer*innen und Autor*innen aus dem französischen und dem deutschen Sprachraum im Gespräch.

  • Einleitende Rede von Tiphaine Samoyault, Autorin des kürzlich erschienenen Essays Traduction et violence (Seuil, 2020) über die Zusammenhänge zwischen Gewalt und Übersetzung
  • Früchte des Zorns - Klassengewalt übersetzen“ mit Sonja Finck, Mira Lina Simon, Claudia Hamm
  • „Über Gender setzen“ mit Fatima Daas und Sina de Malafosse
  • „Brave new worlds übersetzen“: Utopien und Dystopien mit Alain Damasio (Die Flüchtigen, Matthes & Seitz) und Präsentation des TOLEDO-Journals von Milena Adam
  • Ausstellung Kubuni. Comics aus Afrika – Ergebnisse des Übersetzung-Workshops
  • Mit TOLEDO-TALKS: Auftakt der neuen Reihe "staying alive" mit Frank Heibert und Josée Kamoun zu ihren Neuübersetzungen von Orwells‘ 1984 und Rückschau auf ein Jahr „Berührungsängste“ - ein Gespräch mit Julie Tirard, Stéphanie Lux und Jayrôme Robinet
  • Die Teilnehmer des Goldschmidt-Programms 2021 über die Übersetzung von Nino dans la nuit (Capucine und Simon Johannin), Ministerium der Träume (Hengameh Yaghoobifarah) und Les impatientes (Djaïli Amadou Amal)
  • Schlussgespräch mit Tiphaine Samoyault, Claudia Hamm und Frank Heibert : „Übersetzung und Gewalt“

Mehr Infos

Anmeldung: anmeldung.berlin@institutfrancais.de

In Kooperation mit dem TOLEDO-Programm


23.09.2021 – DÜSSELDORF

Gewalt im Werk von Annie Ernaux mit Sonja Finck

19:00 bis 20:30 Uhr

Institut français Düsseldorf, Bilker Str. 7, 40213 Düsseldorf

Sonja Finck ist eine deutsch-kanadische Literatur-Übersetzerin. Sie hat an der Universität Düsseldorf Literaturübersetzen studiert und hat unter anderem die Werke von Annie Ernaux ins Deutsche übertragen, darunter Der Platz (Suhrkamp 2019), Eine Frau (Suhrkamp 2019) und Die Scham (Suhrkamp 2020). Sie wird über die Gewalt im Werk der berühmten französischen Schriftstellerin sprechen. Moderation: Stefan Barmann. Mehr Infos

Anmeldung: info.duesseldorf@institutfrancais.de

In Kooperation mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf


// ABGESAGT //

17.10.2021 – HEIDELBERG

Fatima Daas und Sina de Malafosse über Die jüngste Tochter/ La petite dernière

11:00 Uhr

Deutsch-Amerikanisches Institut, Sophienstraße 12, 69115 Heidelberg

In Frankreich wurde der 2020 erschienene Debütroman La petite dernière (Ullstein/ Claasen Verlag, 2021) als sprachgewaltige Geschichte weiblicher Selbstermächtigung gefeiert. In Deutschland wurden die Autorin Fatima Daas und ihre Übersetzerin Sina de Malafosse mit dem Internationalen Literaturpreis 2021 ausgezeichnet. Lesung und Gespräch über die Übersetzung dieses ergreifenden Textes. Mehr Infos

In Kooperation mit dem Festival der Französischen Woche Heidelberg


26.10.2021 – BERLIN 

Deutsch-französischer Übersetzungsworkshop Über Gender setzen 

14:00 bis 17:00 Uhr

Institut français Berlin, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin

„Ist die Übersetzung auch nur eine Frau?“, fragt Corinne Oster. „Oder wofür sind Gender Studies beim Übersetzen gut?“ Sprache ist nie neutral, auch wenn sie bisweilen mit generischen und vorgefertigten, oft maskulinen Begriffen so tut, als wäre sie es. Deshalb erscheint uns die Auseinandersetzung mit Gender wichtig. Übersetzer*innen treffen bei ihrer Spracharbeit Entscheidungen, und diese Entscheidungen sind politische. Wie kann eine Übersetzung die Festlegungen des allgemeinen Sprachgebrauchs vermeiden, wenn der Ausgangstext beabsichtigt, binäre Geschlechtskategorien zu überwinden? Inwieweit muss sie der Zielsprache dabei unbequem sein? Für eine „Subversion“ der Sprache stehen im Deutschen und Französischen jeweils andere Mittel zur Verfügung – eine Herausforderung für das Übersetzen. Anhand von literarischen Texten beider Ausgangssprachen, die unter anderem queeres und lesbisches Begehren darstellen, lädt dieser Workshop zum gemeinsamen Nachdenken über diese Fragestellungen ein, möchte für die Herausforderungen des Übersetzens und Verlegens bestimmter Texte sensibilisieren und reflektieren, was es heißt, in den Worten von Noémie Grunenwald, „beim Übersetzen Feminist*in/nen zu sein“. Der Workshop wird von André Hansen und Stéphanie Lux geleitet.

Anmeldung: anmeldung.berlin@institutfrancais.de (begrenzte Plätze)


09.11.2021 – BERLIN

Übersetzung-Performance in Rahmen der „Fête de la francophonie“

Centre français de Wedding

- Weitere Informationen folgen demnächst -

in Partnerschaft mit dem TOLEDO-Programm und unter Mitwirkung von Andreas Jandl


11.11.2021 – DRESDEN

Das Schweigen übersetzen mit Frédéric Brun und Christine Cavalli

19:00 Uhr

Der Autor Frédéric Brun und die Übersetzerin Christine Cavalli im Gespräch über das Buch Perla (Faber & Faber).

An einem Spätsommertag verstirbt die Mutter des Erzählers, die 1944 als Jüdin nach Auschwitz deportiert, aber auf Grund ihrer ausgesuchten Schönheit vom berüchtigten Lagerarzt Josef Mengele vom Tod in den Gaskammern verschont wurde. Das Trauma dieser Erlebnisse wird sie aber ein Leben lang nicht mehr verlassen. Und erst nach ihrem Tod beginnt der erzählende Sohn eine Suche nach Wahrheiten, eigenen Wertvorstellungen, bricht es mit seinen inspirierenden Erlebnissen der deutschen romantischen Dichtung und fragt, wie kann auf diesem Bodensatz das Barbarische und Menschenverachtende überhaupt entstehen.

Institut français Dresden In Kooperation mit dem Goethe Institut Dresden


13.11.2021 – BERLIN

Soirée Litterall : Übersetzung als Politikum, May Ayim und Ronald M. Schernikau

17:30 Uhr

Mediathek des Institut français Berlin, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin

Wie schafft man Gewalt einen Weg in die andere Sprache? Kann man Grenzerfahrungen mit Rassismus, Homophobie oder Krankheit überhaupt übersetzen? Wie positioniert sich eine Übersetzung zwischen Literatur, Innenleben und Politik? Welchen Platz gibt es in anderen Sprachen für radikale Stimmen?

Diese Fragen stellen sich Jeffrey Trehudic, Lucie Lamy und Jean-Philippe Rossignol bei der Übersetzung der Texte von May Ayim und Ronald M. Schernikau, zwei Autor*innen, die Gewalt in Form von Diskriminierung und Krankheit erlebten.

In Zusammenarbeit mit dem Verein KOSMOPOLIT und der Buchhandlung Schwarze Risse.

Anmeldung: mediathek.berlin@institutfrancais.de (begrenzte Plätze)


18.11.2021 – MANNHEIM

Lesung und Gespräch mit Santiago Amigorena und Nicola Denis 

19.00 Uhr 

Moderation und Übersetzung der Diskussion: Cornelia Ruhe (Universität Mannheim) 

Santiago Amigorena erzählt die Geschichte seines Großvaters, der in den 1920er Jahren aus Warschau nach Buenos Aires flüchtet, wo er sich in eine Argentinierin verliebt und eine Familie gründet. Durch die Briefe vor allem seiner Mutter, die im Warschauer Ghetto zurückgeblieben ist, erfährt er von den Ereignissen im fernen Europa; mit jeder Nachricht von dort wachsen seine Schuldgefühle.  Die Diskussion wird entsprechend auch danach fragen, wie man sich als Übersetzerin einem Text stellt, der gleichsam ins Herz der Gewalt vordringt und davon erzählt, wie die Verzweiflung über die eigene Ohnmacht einen verstummen lässt.

Nicola Denis, 1972 geboren, arbeitet als freie Übersetzerin im Westen Frankreichs. 2001 promovierte sie mit einer komparatistischen Arbeit zur Übersetzungstheorie und übersetzt, neben Klassikern wie Honoré de Balzac, Gegenwartsautor*innen wie Éric Vuillard, Philippe Lançon und Marie-Claire Blais. Für ihre Übersetzung von Die Tagesordnung von Éric Vuillard war sie für den 10. Internationalen Literaturpreis des HKW nominiert. 2021 erhielt sie für ihr übersetzerisches Werk den Prix lémantique de la traduction.

Der Abend wird von dem Deutschen Übersetzerfonds im Rahmen des Programms „Neustart Kultur“ gefördert und findet in Kooperation mit dem Romanischen Seminar der Universität Mannheim statt. 


23.11.2021 – HAMBURG

Lesung und Gespräch mit Marion Messina und Claudia Steinitz

- Weitere Informationen folgen demnächst -


23.11.2021  – ONLINE 

Lesung und Gespräch mit Marie NDiaye und Claudia Kalscheuer

- Weitere Informationen folgen demnächst -


25.11.2021 – STUTTGART 

Die lange Nacht der Übersetzung in Stuttgart: „Übersetzen. Im Herzen der Gewalt“

15:00 bis 22:00 Uhr

Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstraße 4, 70174 Stuttgart

Literaturübersetzungen bringen uns die Welt nahe. Übersetzte literarische Werke allerdings auf ihre völkerverständigende und stabilisierende Wirkung zu reduzieren, wird der Komplexität unserer Gegenwart nicht gerecht, wie nicht zuletzt die Debatten um die Übersetzungspolitiken rund um Amanda Gormans Inaugurationsgedicht zeigen. Textproduktion, Rezeption, Autor*innen und Übersetzer*innen sind Komponenten, die eine Literaturübersetzung zu einem mehrdeutigen Unterfangen machen, das mitunter Konflikte birgt. In welchem Verhältnis stehen Übersetzung und Gewalt im Text und am Text?

  • „Übersetzen im Herzen der Gewalt: Labor für Übersetzer*innen & Student*innen“, mit Tiphaine Samoyault, unter Beteiligung weiterer Übersetzer*innen.
  • „Übersetzen in postkolonialen Zeiten“: Lesung von Jean-Luc Raharimanana Revenir (live zugeschaltet), Podiumsgespräch mit Annette Bühler-Dietrich, Andreas Jandl, David Diop (angefragt). Moderation: Sigrid Brinkmann.
  • „Toxische Beziehungen: strukturelle und individuelle Gewalterfahrungen im Text“: Lesung und Gespräch mit Edouard Louis über seinen neuen Roman Die Freiheit einer Frau. Moderation: Hinrich Schmidt-Henkel.
  • „Übersetzen als Überschreibung & Überschreitung“: Lesung und Gespräch mit Elisabeth Edl und Anne Weber. Moderation: Sigrid Brinkmann.

 

Kartenreservierung: www.literaturhaus-stuttgart.de 

In Kooperation mit dem Literaturhaus Stuttgart



PARTNER

Berlin: TOLEDO-Programm, Internationales Literaturfestival Berlin, Deutsch-Französische Jugendwerk (OFAJ/DFJW), Frankfurter Buchmesse, Bureau international de l'édition française (BIEF), Pro Helvetia, ZADIG Französische Buchhandlung Berlin, Geistesblüten, Verlag Matthes & Seitz Berlin. Leipzig: Leipziger Städtische Bibliotheken. Dresden: Centrum Frankreich | Frankophonie (CFF) der TU Dresden, Goethe-Institut Dresden. Heidelberg: Festival Französische Woche Heidelberg. Düsseldorf : Heinrich-Heine- Universität Düsseldorf. Stuttgart: Literaturhaus Stuttgart. 

Das gesamte Programm wird von dem Deutschen Übersetzerfonds im Rahmen des Programms „Neustart Kultur“ gefördert.



FÜR WEITERE INFORMATIONEN

Projektleiterin: Dr. Myriam Louviot (Institut français Deutschland)

myriam.louviot@institutfrancais.de

Projektassistentin: Zélie Waxin

zelie.waxin@institutfrancais.de

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